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Trinkwasser
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Trinkwasser ist Wasser fĂźr den menschlichen Bedarf. Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel, es kann nicht ersetzt werden (Eingangs- und Leitsatz der DIN 2000). Daher ist es ein besonders zu schĂźtzendes Gut und ein Teil der DaseinsfĂźrsorge.cite-ref-2[2] Die Wasserbeschaffung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser ist Aufgabe der Wasserwirtschaft.
Contents
⢠Wasserbedarf
⢠Quellen
⢠Blei
⢠Uranbelastung
⢠Deutschland
⢠Schweiz
⢠Desinfektion
⢠Enthärtung
⢠Entsalzung
⢠Rechtsfragen
⢠Umweltaspekte
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Definition und Anforderungen
Als Trinkwasser ist jedes Wasser definiert, das zum
oder insbesondere zu den folgenden häuslichen Zwecken bestimmt ist:
⢠KÜrperpflege und -Reinigung,
⢠Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäà mit Lebensmitteln in Berßhrung kommen (Gläser, Geschirr, Besteck) oder
Trinkwasser ist SĂźĂwasser mit einem so hohen Reinheitsgrad, dass es â gemäà den definierten GĂźteanforderungen â fĂźr den menschlichen Gebrauch als geeignet eingestuft ist, insbesondere zum Trinken und zur Speisenzubereitung. Trinkwasser darf nur die Stoffe oder Organismen enthalten oder in bestimmten Mengen enthalten, fĂźr die es entweder keine Grenzwertfestlegungen gibt oder fĂźr die festgelegte Grenzwerte nicht Ăźber- oder unterschritten werden. Nicht enthalten sein dĂźrfen z. B. krankheitserregende Mikroorganismen. Mineralstoffe sollten in einer Mindestkonzentration enthalten sein. Keine Grenzwertfestlegungen gibt es fĂźr viele chemische Schadstoffe (s. Schadstoffbelastung). Anforderungen der Keimfreiheit am Entnahmeort (Verbraucher) erzwingen unter bestimmten Bedingungen (Gewinnungsort, Leitungslänge) dauerhafte oder bedarfsgerechte DesinfektionsmaĂnahmen, was (etwa durch Chlorungsverfahren) innerhalb o. g. Grenzwerte chemische Kontamination impliziert.
Die GĂźteanforderungen an Trinkwasser sind in Deutschland in der DIN 2000, in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) und in der âAllgemeinen Verordnung fĂźr die Versorgung mit Wasserâ (AVBWasserV) festgelegt.cite-ref-4[4]
Wasser ist in Deutschland kein Mangelartikel und kann in ausreichenden MaĂ dem Wasserdargebot entnommen werden. Im Gegensatz zu anderen natĂźrlichen Ressourcen wird Wasser nicht verbraucht, sondern nur gebraucht. Es kann dabei verunreinigt werden und ist dann eventuell mit Schadstoffen belastet. Die gesamte Wassermenge der Erde in allen Aggregatzuständen bleibt gleich, lediglich die Verteilung zwischen den Umweltkompartimenten ändert sich. Nur eine äuĂerst geringe Menge des Wassers entweicht als Wasserdampf aus der LufthĂźlle in das Weltall.
Wasserbedarf
Der Wasserbedarf des Menschen variiert je nach kÜrperlicher Verfassung, KÜrpermasse, Aktivität, Umgebungstemperatur, Umgebungsluftfeuchtigkeit und anderen Faktoren. Der Mensch nimmt Wasser in Form von Getränken und Speisen zu sich und gibt es mit Urin, Kot, Schweià und Atemluft ab. Wasser entsteht im KÜrper beim oxidativen Abbau von organischen Nahrungsstoffen.
Die WHO gibt bei âhohem Bedarfâ eine Trinkwasserbedarfsschätzung von etwa zwei Litern je Tag fĂźr einen 60 kg schweren Erwachsenen und von einem Liter fĂźr ein Kind mit 10 kg KĂśrpergewicht an.cite-ref-5[5] Der FlĂźssigkeitsbedarf kann ergänzend durch Trinken ausreichender Mengen von Saft, Milch oder Kaffee gedeckt werden und variiert individuell stark.cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]
Leitungswasser wird zudem fßr weitere Zwecke, wie Wäschewaschen, Toilettenspßlung, KÜrper-, Geschirr- und Wohnungsreinigung verwendet. In den letzten Jahrzehnten wurde mit einem Verbrauch an Trinkwasser von 120 bis 140 Liter pro Tag und Einwohner gerechnet. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser ist in Deutschland laut einer Statistik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) durch einen bewussten Umgang mit Wasser seit 1990 kontinuierlich gesunken.
In anderen Ländern ist der Verbrauch teilweise weitaus hÜher. Der Gesamtwasserverbrauch in Italien wird mit 260 Litern pro Tag und Einwohner angegeben. In der Wßstenstadt Dubai, wo Trinkwasser ßblicherweise durch Meerwasserentsalzung hergestellt wird, lagen in den 2010er Jahren die Werte pro Kopf bei ßber 500 Liter je Tag fßr den gesamten Verbrauch. Dort wird ebenso wie fßr den hohen Stromverbrauch eine Verbrauchssenkung angestrebt.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]
Quellen
Trinkwasser wird dem Wasserdargebot entnommen und kann aus verschiedenen Quellen gewonnen werden:
⢠Niederschlag, einschlieĂlich Regen, Hagel, Schnee, Nebel usw.
⢠Oberflächenwasser wie Quellen, Flßsse, Bäche und Gletscher
⢠Biologische Quellen wie Pflanzen
⢠Atmosphärische Wassererzeugercite-ref-10-1038-s41586-021-03900-w-10-0[10]
⢠Urin, feuchte Abfälle, Abluft und feuchter Boden â durch Destillation
Zu den Bedrohungen fĂźr die VerfĂźgbarkeit von Wasserressourcen gehĂśren: Wasserknappheit/Wasserkrisen, Wasserverschmutzung, fehlende Aufbereitung oder Wasserfilter, Wasserkonflikte, unzureichende Brunnentiefe, DĂźrreperioden und ĂberfĂśrderungcite-ref-11[11] sowie der Klimawandel.
Qualität des Trinkwassers
In Deutschland,cite-ref-12[12] Ăsterreich, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden ist Trinkwasser das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel und im Normalfall uneingeschränkt zum Verzehr geeignet.
Probleme bei der Qualität des Trinkwassers aus Grundwasser kĂśnnen in der Regel durch die ordnungsgemäĂe Ausweisung von Schutzgebieten vermieden werden. Teilweise ist die Unterschutzstellung in Gebieten mit intensiver konventioneller landwirtschaftlicher Nutzung jedoch nicht ausreichend. Insbesondere durch zu starke GĂźlledĂźngung oder durch alte Kläranlagen und den dadurch verursachten Nitrateintrag in das Grundwasser kann das daraus gewonnene Trinkwasser fĂźr Säuglinge und Kleinkinder gefährlich sein. In diesen Fällen muss der Wasserversorger die Nitratkonzentration durch Aufbereitung, tiefere Brunnen und Kooperationen mit der Landwirtschaft senken.
Wasser aus Uferfiltrat kann Schadstoffe aus Kläranlagen oder Industrieeinleitungen enthalten. Schadstoffe kĂśnnen im âNormalbetriebâ oder durch Unfälle in Gewässer gelangen. Wasserversorger an den groĂen FlĂźssen Deutschlands sind zu Vorfeldkontrolle und zur Bereitstellung redundanter Techniken zur Wasseraufbereitung Ăźbergegangen. Medikamente und andere pharmakologisch wirksame Stoffe, beispielsweise RĂśntgenkontrastmittel oder Sexualhormone, kĂśnnen durch den Wasserkreislauf in das Trinkwasser gelangen und zu systemischen Risiken fĂźhren.
FĂźr Trinkwasser bestehen im deutschsprachigen Raum hĂśhere Qualitätsanforderungen als fĂźr industriell abgepacktes Mineralwasser und Tafelwasser. Es gilt als das am besten untersuchte Lebensmittel. Trinkwasser und Tafelwasser muss im Gegensatz zu natĂźrlichem Mineralwasser nicht âursprĂźnglich reinâ sein, darf also aufbereitet und vermischt werden. So darf mit Kohlenstoffdioxid versetztes Trinkwasser â unabhängig von Qualität und Mineralstoffgehalt â in Gaststätten nicht als Mineralwasser angeboten werden.
In anderen Ländern ist die Trinkwasserqualität mangels Aufbereitung und Ăberwachung häufig schlechter. In beliebten Urlaubsgebieten wie Spanien und Portugal variiert angeblich teilweise die Qualität des Leitungswassers von âals Trinkwasser geeignetâ bis âbeim Verzehr in groĂen Mengen gesundheitsgefährdendâ.cite-ref-13[13] In China sind 60 bis 80 Prozent des Grundwassers schwer verschmutzt und nicht mehr als Trinkwasser geeignet.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15] In Europa ist das Trinkwasser in aller Regel zum Kochen geeignet.
Durchschnittliche Zusammensetzung
Die am häufigsten im Trinkwasser gelĂśsten Mineralstoffe sind die Kationen Calcium (Ca2+), Magnesium (Mg2+) und Natrium (Na+) und die Anionen Carbonat (CO32â), Hydrogencarbonat (HCO3â), Chlorid (Clâ) und Sulfat (SO42â). Die Summe der Konzentrationen von Calcium und Magnesium wird als Wasserhärte bezeichnet.
Schadstoffbelastung
In Einzelfällen kÜnnen erhÜhte Belastungen des Trinkwassers mit Schadstoffen (beispielsweise Arsen, Barium, Blei, Cadmium, Chlorid, Eisen, Kupfer, Nitrat, Phosphat, Uran, Zink) beim Endverbraucher vorkommen.cite-ref-16[16] Im März 2013 berichtete das ZDF ßber erhÜhte Belastung des Trinkwassers mit chemischen Abfällen wie Antibiotika, Pestiziden oder Desinfektionsmitteln.cite-ref-17[17] In der Ostschweiz wurden 300 Trink- und Grundwasserproben genommen, in denen sich zeigte, dass der offizielle HÜchstwert des krebserregenden Pestizids Chlorthalonil in ßber 10 % der Proben ßberschritten wurde.cite-ref-18[18] Arzneistoffe sind ebenfalls zu finden.cite-ref-19[19] Grenzwerte legt (in Deutschland) die Trinkwasserverordnung fest, doch fßr viele Schadstoffe existieren noch keine Grenzwertfestlegungen.cite-ref-20[20]
Zum Schutz der Trinkwasserquellen wurden die Gefahrenklassen PMT und vPvM eingefĂźhrt.cite-ref-21[21]
Blei
Verantwortlich fĂźr erhĂśhte Bleianteile im Trinkwasser kĂśnnen alte Bleileitungen in der Hausinstallation sein. Die Stiftung Warentest fand bei der Auswertung von 20.000 Trinkwasseranalysen aus dem Zeitraum von 1994 bis 2004, aus Zapfhähnen in Haushalten, bei fĂźnf Prozent der Proben mehr als 25 Mikrogramm je Liter (Âľg/l) Blei. Ein erhĂśhtes Risiko bestand demnach in ostdeutschen Regionen, in Schleswig-Holstein und in den GroĂräumen Hamburg, Bremen, Bonn und Frankfurt.cite-ref-22[22] Der Grenzwert gemäà TrinkwV liegt bei 10 Âľg/l. Trinkwasseranalysen kĂśnnen klären, ob die eigene Hausinstallation betroffen ist.
Arsen und Fluorid
Weltweit beziehen rund 300 Millionen Menschen ihr Wasser aus Grundwasservorräten. Rund 10 Prozent der Grundwasserbrunnen sind jedoch mit Arsen oder Fluorid kontaminiert. Diese Spurenstoffe sind meist natßrlichen Ursprungs und werden vom Wasser aus Felsen und Sedimenten ausgewaschen. Im Jahr 2008 präsentierte das Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag eine neue Methode, mit der sich Gefahrenkarten fßr geogene Giftstoffe im Grundwasser erstellen lassen, ohne dass sämtliche Brunnen und Grundwasservorräte einer Region dafßr ßberprßft werden mßssen.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
2016 machte die Eawag ihr Wissen auf der Grundwasser Assessment Plattform (GAP) frei zugänglich.cite-ref-28[28] Dieses Internetportal bietet BehÜrdenmitgliedern, Mitarbeitern von NGOs und anderen Fachleuten die MÜglichkeit, eigene Messdaten hochzuladen und Risikokarten fßr Gebiete nach freier Wahl zu erstellen.
Siehe auch
:
Arsen#Grenzwerte fĂźr Wasser
Siehe auch
:
Fluoride#Vorkommen und Aufnahme
Uranbelastung
Deutschland
Die Verbraucherorganisation Foodwatch warnte 2008 vor hohen Urankonzentrationen, so wurden 39 Âľg/l Uran in Maroldsweisach im Landkreis HaĂberge (Bayern), 33 Âľg/l in Lobenrot im Landkreis Esslingen und 30,08 Âľg/l in Reimershagen im Landkreis Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) ermittelt. Insgesamt liegen bei 8200 gemeldeten Messungen 150 oberhalb von 10 Âľg/l vor, dem Grenzwert der novellierten TrinkwV von 2011.cite-ref-29[29] Im Durchschnitt enthält Trinkwasser in Deutschland mit 0,3 Âľg/l Uran weniger Uran als Mineralwasser mit durchschnittlich 2,8 Âľg/l.cite-ref-30[30] Der Zusammenhang erhĂśhter Urangehalte in Mineral- und Trinkwässern mit der Geologie der Grundwasserspeichergesteine wurde 2008 erstmals bundesweit untersucht.cite-ref-31[31] Dabei stellte sich heraus, dass erhĂśhter Urangehalt an Formationen wie Buntsandstein oder Keuper gebunden sind, die geogen selbst erhĂśhte Urangehalte aufweisen. Ărtlich ist Uran aus PhosphatdĂźnger in das Grundwasser durchgeschlagen.
Schweiz
Im Rahmen eines Monitorings durch das Bundesamt fĂźr Gesundheit (BAG) wurde in den 2000er-Jahren unter anderem der Urangehalt des Trinkwassers auf Basis von 5000 Proben in der Schweiz untersucht. Die Ergebnisse wurden wissenschaftlich aufgearbeitet.cite-ref-32[32] Hierbei wurde festgestellt, dass hĂśhere Konzentrationen vor allem im Alpenraum festgestellt worden sind, falls das Wasser aus Grund- oder Quellwasser gewonnen wird, das âin Kontakt mit uranhaltigen Gesteinen und Sedimenten steht.â In 0,3 % der Proben wurde der WHO-Richtwert von 30 Âľg/l Ăźberschritten.cite-ref-33[33] Basierend auf die Untersuchungsergebnisse wurde in der TBDV ein Grenzwert von 30 Âľg/l festgeschrieben.cite-ref-34[34]
Biologische Belastungen
Trinkwasser kann in einzelnen Fällen die Quelle epidemischer Krankheitsausbrßche durch enterale pathogene Viren sein. So wurde in Finnland in den Jahren 1998 bis 2003 eine Studie ßber trinkwasserbedingte Norovirus-Ausbrßche durchgefßhrt. Dabei konnten bei 10 von 18 Norwalk-Virus-Ausbrßchen die nachgewiesenen Subtypen in den Stuhlproben der Patienten, wie in den entsprechenden Trinkwasserproben nachgewiesen werden.cite-ref-35[35] Dies sind Ausnahmen, die regional sehr begrenzt auftreten und die umgehend durch Sanierung behoben werden. Weit ßber 99 % des in Deutschland abgegebenen Trinkwassers sind gemäà Bundesgesundheitsamt und Umweltbundesamt ohne Beanstandungen.
Preis des Trinkwassers
Deutschland
Der Preis fĂźr Trinkwasser in Deutschland ist regional sehr verschieden. Die Kosten fĂźr die Trinkwasserversorgung werden Ăźberwiegend von den hohen Fixkosten bestimmt. Der LĂśwenanteil bezieht sich dabei auf Kosten fĂźr den Erhalt und die Weiterentwicklung der Infrastruktur. In den Fixkosten enthalten sind die Kosten fĂźr Gewinnung, Aufbereitung (wenn erforderlich), Speicherung, FĂśrderung (Pumpen), Transportleitungen, innerĂśrtliche Versorgungsleitungen (Anschlussdichte, d. h. Abnehmer pro km Versorgungsleitung) und Wasserzähler, die auch ohne Verbrauch anfallen. Diese Kosten werden zudem von den geologischen und topografischen Verhältnissen, von der Siedlungsstruktur und der Sanierungsrate der Versorgungsleitungen beeinflusst. Ăblicherweise werden diese Fixkosten auf die Verbrauchskosten umgelegt. So kostet Trinkwasser in Deutschland Anfang 2019 im Mittel etwa 1,72 Euro pro Kubikmeter. Der Fixkostenanteil in der Wasserversorgung beträgt im Mittel zwischen 75 % und 85 % der Gesamtkosten, somit kann Wassersparen auf die Gesamtgruppe der angeschlossenen Verbraucher gesehen kaum zu geringeren Kosten fĂźr die Verbraucher fĂźhren.cite-ref-36[36] AbwassergebĂźhren werden zumeist 1:1 nach dem Trinkwasserbezug des Privathaushalts taxiert, wofĂźr etwa zwei bis vier Euro pro Kubikmeter hinzukommen.
2007 und 2011 ermittelten Studien in Essen einen etwa 340 % hÜheren Preis als in Augsburg. In Essen ist das Wasser doppelt so teuer wie im benachbarten Bochum. Als Ursache fßr die Preisunterschiede werden unterschiedliche Voraussetzungen (Rohwasserherkunft, Rohwasserqualität, Aufbereitungskosten, Topografie, Infrastrukturkosten) bei den Wasserversorgern genannt.cite-ref-37[37]
Schweiz
Der Trinkwasserpreis wird primär durch die Gewinnungsart und den Transport bestimmt, der von Ort zu Ort unterschiedlich ist. Die Wasserkorporationen bzw. die dafßr zuständigen Gemeinden legen zudem fest, inwieweit kommende Investitionen bzw. deren Amortisation im Preis zu berßcksichtigen sind.cite-ref-38[38] Daraus resultierend legt jede Wasserkorporation bzw. Gemeinde fßr die jeweiligen Versorgungsgebiete die Trinkwasserpreise fest. In St. Gallen, das Seewasser aus dem Bodensee bezieht und entsprechend hinaufgepumpt werden muss, kostet per 2017 der Kubikmeter 2.66 Fr.,cite-ref-39[39] während das Grund- und Quellwasser in Altdorf 0.40 Fr. kostet.cite-ref-40[40] Hinzu kommen Gebßhren fßr den Anschluss, fßr den Wasserzähler sowie fßr das Abwasser.
Auf der Website des EidgenĂśssischen PreisĂźberwachers kĂśnnen die Wasserkosten zu den 300 einwohnergrĂśssten Gemeinden eingesehen werden.cite-ref-41[41]
Hygienische Aspekte
â
Hauptartikel
:
Trinkwasserhygiene
und
Water Safety Plan
Eine sichere und hygienische Wasserversorgung ist ein entscheidender Beitrag zur Gesundheit und Seuchenvermeidung. Trinkwasser muss in Deutschland gemäà der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) die folgenden Anforderungen erfßllen:
⢠farblos, geruchlos
⢠frei von Krankheitserregern
⢠nicht gesundheitsschädigend
⢠geschmacklich neutral und kßhl
⢠gelÜste mineralische Stoffe in bestimmten Konzentrationsbereichen
Trinkwasser wird in Mitteleuropa zumeist aus Grundwasser durch Brunnen, seltener Artesische Brunnen oder direkt aus Quellen gewonnen. Auch Oberflächenwasser aus Talsperrseen, Seen oder FlĂźssen wird verwendet. Dabei wird das Wasser entweder direkt aus dem Gewässer entnommen oder als Uferfiltrat aus Brunnen in Gewässernähe zu Trinkwasser aufbereitet. In Einzelfällen, meist im auĂereuropäischen Raum, wird es direkt aus Flusswasser gewonnen. Der Transport zum Verbraucher erfolgt in Industriestaaten zumeist durch ein Wasserverteilungssystem aus Pumpen, Leitungen und Behältern. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern sowie manchmal in Notsituationen in Industriestaaten wird es durch Tankwagen oder Gebinde wie Flaschen, Fässer und Kunststoffsäcke verteilt.
Eine wichtige Richtlinie fĂźr Trinkwasseranlagen in Deutschland ist die VDI 6023. Sie beschäftigt sich mit korrekter Planung, Errichtung, Betrieb und Instandsetzung von Trinkwasseranlagen in Gebäuden und auf GrundstĂźcken. Da Trinkwasser in Zuleitungen vor den Zapfstellen zwischenzeitlich nicht flieĂt, kĂśnnen sich bei längerer Stagnationszeit in den Wasserleitungen mehr Mikroorganismen entwickeln, in hĂśherer Konzentration als dies nach der Trinkwasserverordnung zulässig ist. Wasser, das Ăźber längere Zeit in einer Armatur oder Rohren aus Rotguss stand, kann einen hĂśheren Gehalt gelĂśster Metalle wie etwa Blei aufweisen.
Organisation der Trinkwasserversorgung
â
Hauptartikel
:
Siedlungswasserwirtschaft in Deutschland
Deutschland, Ăsterreich und die Schweiz sind aufgrund ihrer geographischen Lage und Niederschlagssituation so wasserreich, dass der Wasserbedarf meist lokal oder regional gedeckt werden kann. In vielen Fällen sind aber in Mitteleuropa regionale und Ăźberregionale Flächenversorgungen (zum Beispiel Gelsenwasser oder Suez Environnement) aufgebaut worden. Die Errichtung, Erhaltung und der Betrieb von Wasserversorgungsanlagen erfolgt in den meisten Bundesländern durch Kommunen, Unternehmen, Wassergenossenschaften, Wasserverbände und durch privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen. Anders als in anderen europäischen Ländern, wie in den Niederlanden, wo teilweise Konzentrationsprozesse staatlich beschleunigt wurden, ist in Deutschland die Ăśffentliche Wasserversorgung bisher Ăźberwiegend kommunal geprägt und entsprechend den Ăśrtlichen Vorkommen organisiert.
Nur wenige der deutschen Versorgungsunternehmen sind Ăźberregional und noch weniger international tätig. Die groĂen franzĂśsischen Versorgungsunternehmen sind weltweit an der Privatisierung der Wasserversorgung aktiv beteiligt.
Trinkwassergewinnung
â
Hauptartikel
:
Trinkwassergewinnung
Etwa 25 % der WeltbevĂślkerung sind auf Wasser aus Karst-Aquiferen angewiesen.cite-ref-42[42] Das Institut fĂźr angewandte Geowissenschaften am Karlsruher Institut fĂźr Technologie (KIT) verĂśffentlichte als Projekt der IAH Karst Commission (International Association of Hydrogeologists)cite-ref-43[43] im September 2017 auf dem 44. jährlichen Kongress der IAH in Dubrovnik in Ergänzung der 2000 verĂśffentlichten Grundwasser-Weltkarte (WHYMAP, World-wide Hydrogeological Mapping and Assessment Programme)cite-ref-44[44] zusammen mit dem Federal Institute for Geosciences and Natural Resources (BGR) und der UNESCO eine âWeltkarte der Karst-Grundwasserleiterâ (World Karst Aquifer Map).cite-ref-45[45]
Gewinnung aus Brunnen
Bei Brunnen werden generell zwei verschiedene Arten unterschieden, nämlich der Schachtbrunnen und der Bohrbrunnen. Mit einem Schachtbrunnen wird oberflächennahes Grundwasser meist zwischen 8 und 10 Meter unter Gelände gewonnen. Mit einem Bohrbrunnen wird das Grundwasser in Tiefen bis zu 400 Meter bezogen.
Die Brunnentiefe ist abhängig von der Lage und Mächtigkeit der wasserfĂźhrenden Schichten. Jeder Brunnen hat eine maximale FĂśrderkapazität, die abhängig ist von der GrĂśĂe des Grundwasserleiters, dessen Durchlässigkeit und dem entsprechenden Brunnenausbau, wie Brunnen- und Filterrohrdurchmesser und der Länge der Brunnenfilterstrecken. Unterwasserpumpen fĂśrdern das Wasser zur Aufbereitung oder bei brauchbarer Qualität direkt ins Trinkwasserleitungsnetz. Die Anzahl der Brunnen richtete sich nach den Mengenanforderungen der Verbraucher und der Wasserbilanz, sie ist je Wassergewinnungsgebiet behĂśrdlich beschränkt, damit aus einem Gebiet nur die jeweils nachflieĂende Menge entnommen wird.
Da Schachtbrunnen nicht in groĂe Tiefen reichen, kann die Qualität des Wassers durch die Nähe zur Erdoberfläche beeinträchtigt sein. Beim Bohrbrunnen (Tiefbrunnen) wird ein FĂśrderrohr eingehängt, das im wasserfĂźhrenden Bereich Schlitze hat. Um Sand, Erde und andere grobe Schwebeteilchen zurĂźckzuhalten, wird um das Rohr herum eine Filterkiespackung angebracht. Ăber der Erde mĂźndet das FĂśrderrohr in der Brunnenstube, in dem die erforderlichen elektrischen und hydraulischen Einrichtungen untergebracht sind.
Mit zunehmender Tiefe steigt die Temperatur des Wassers aus Tiefbrunnen (geothermische Tiefenstufe), und zwar im Mittel um 3 °C pro 100 m, falls keine geothermische Anomalie (wie im Oberrheingraben) vorliegt, die einen grĂśĂeren Anstieg bewirkt. Bei einer angenommenen Jahresdurchschnittstemperatur auf der Erdoberfläche von 10 °C beträgt die Wassertemperatur demnach in 100 m Tiefe ca. 13 °C.
Gewinnung aus Quellen
Quellwasser ist zutage tretendes Grundwasser. Seine Eignung als Trinkwasser hängt davon ab, ob oberflächennahes Grundwasser oder Wasser aus tieferen Schichten zutage tritt. Wird die Quelle Ăźberwiegend durch oberflächennahes Wasser (Tagwasser) gespeist, besteht die Gefahr, dass Umweltschadstoffe, Keime, Bakterien, Nitrat oder MineralĂśle in das Quellwasser gelangen. Daher muss jede Quelle, die fĂźr die Trinkwassergewinnung herangezogen wird, durch eine entsprechend groĂe Trinkwasserschutzzone abgesichert sein.
FĂźr die Trinkwassergewinnung sind folgende Quelltypen relevant:
⢠Schichtquelle: Das Grundwasser tritt zutage, wenn die Wasser fßhrende Schicht die Erdoberfläche schneidet.
⢠Stauquelle: Grundwasser staut sich unter einer wasserundurchlässigen Schicht und tritt bei einem Durchbruch dieser Schicht an die Erdoberfläche.
⢠Ăberlaufquelle: Das Grundwasser wird durch hydraulischen Druck in der Grundwasserschicht an die Erdoberfläche gedrĂźckt.
Gewinnung aus Oberflächengewässern
Oberflächenwasser wird zur Trinkwassergewinnung aus Seen oder Flßssen gepumpt. Es muss zumeist aufbereitet werden. Bekannte Beispiele sind die ßberregionale Bodensee-Wasserversorgung, die Wasserversorgung der Stadt Zßrich oder die zahlreichen Wasserversorgungsanlagen, die das Rohwasser aus Talsperren entnehmen.
Meerwasser
In wasserarmen Kßstenländern wird Trinkwasser meist durch energieintensive Meerwasserentsalzungsanlagen gewonnen, ßblicherweise durch Umkehrosmose. Der Energieaufwand beträgt 4 bis 9 Kilowattstunden pro Kubikmeter Wasser. Bei einer Destillation bei Atmosphärendruck ohne Energierßckgewinnung, wßrde er mit 700 Kilowattstunden weit darßber liegen.
Trinkwasseraufbereitung
â
Hauptartikel
:
Wasseraufbereitung
Trinkwasseraufbereitung ist die Gewinnung von Trinkwasser durch Reinigung von Grund- oder Oberflächenwasser mittels chemischer und physikalischer Aufbereitungsverfahren und die Einstellung von bestimmten Parametern (pH-Wert, Ionenkonzentration), um es fßr den Gebrauch als Trinkwasser geeignet zu machen.cite-ref-46[46] Die fßr die Aufbereitung nÜtige Technologie ist in Wasserwerken installiert. Trinkwasser in einzelnen Haushalten, die nicht an ein Wasserwerk angeschlossen sind oder deren Leitungswasser nicht als Trinkwasser geeignet ist, wird häufig mit kleineren Geräten aufbereitet.cite-ref-47[47] Die Art der Wasseraufbereitung hängt in beiden Fällen von der Gßte des Rohwassers ab und richtet sich nach den im Rohwasser enthaltenen und zu entfernenden Stoffen. Insbesondere die Verfahren Filtration, Enteisenung und Entmanganung, Entsäuerung, Entgasung, Entcarbonisierung und Desinfektion werden häufig angewendet.
Basisbehandlungen
Im Wasser enthaltene Schwebstoffe kĂśnnen durch Flockung zu voluminĂśseren Teilchen aggregiert und durch Filtration mit Kiesfiltern, Sandfiltern oder Polstofffiltern aus dem Wasser entfernt werden. Durch BelĂźftung wird korrosives Kohlenstoffdioxid ausgeblasen. Durch Oxidation werden gelĂśste Eisen(II)-Ionen zu unlĂśslichem Eisen(III)-oxidhydrat ĂźberfĂźhrt und gelĂśste Mangan(II)-Ionen zu unlĂśslichen Mangan(IV)-Verbindungen. Die Eisenoxidation ist zum Teil abiotisch, zum Teil biotisch. Die biotische Oxidation wird durch Bakterien der Gattung Gallionella, im Wesentlichen G. ferruginea, bewirkt. Die Manganoxidation verläuft langsamer als die Eisenoxidation und ist ebenfalls zum Teil biotisch (spezifische Mangan-oxidierende Bakterien). Das ausgefallene Eisen(III)-oxidhydrat wird zum grĂśĂten Teil in einer ersten Filtrationsstufe durch Kiesfilter entfernt (Enteisenung). In diesen Filtern befinden sich groĂe Mengen an Gallionella ferruginea. Die ausgefällten Mangan(IV)-Verbindungen werden im unteren Drittel des kombinierten Enteisenungs- und Entmanganungsfilters bzw. in einer zweiten Filtrationsstufe mit Kiesfiltern entfernt.
Organische Verunreinigungen und Spurenstoffe
Spurenstoffe und andere gelÜste organische Stoffe werden durch Adsorption an Aktivkohle und durch biologischen Abbau in Langsamfiltern oder durch Bodenpassage (Versickerung) entfernt. Oberflächennahe Grundwässer, wie Uferfiltrate von Flßssen, werden häufig mit Ozon behandelt. Durch diese Behandlung werden sowohl organische Stoffe als auch Eisen- und Manganverbindungen oxidiert. Während Eisen als Oxidhydrat ausgefällt wird, oxidiert Mangan bis zum Permanganat. Fßr die nachfolgende Filtration eines derartig mit Ozon behandelten Wassers werden deshalb 2-Schichtfilter oder Doppelschichtfilter verwendet. Bei den 2-Schichtfiltern besteht die untere Schicht aus Kies, in der ungelÜste und ausgefällte Bestandteile abfiltriert werden, soweit diese nicht von der oberen ersten Schicht bereits aufgenommen wurden. Die 2. obere Schicht besteht aus grobkÜrniger Aktivkohle. Diese Schicht adsorbiert die anoxidierten organischen Stoffe und reduziert das Permanganat zu ausgefällten Mangan(IV)-Verbindungen, die abfiltriert werden kÜnnen. Bei den Doppelstockfiltern kann durch die räumliche Trennung das spezifisch schwerere Filtermaterial wie Aktivkoks oder Kies im oberen und die leichtere Aktivkohle im unteren Filterteil angeordnet werden. Hierdurch wird bei den Doppelstockfiltern eine schnellere Verschlammung der Aktivkohle durch die Abfilterung von Feststoffen vermieden. Bei der Filterrßckspßlung (Ausspßlung der Ablagerungen) wird die spezifisch leichtere Aktivkohle immer wieder als oberste Filterschicht abgelagert.
Eine Entfernung der Spurenstoffe durch technische Verfahren der Trinkwasseraufbereitung ist schwer oder erhÜht den Aufwand bei der Aufbereitung erheblich. Um die Trinkwasserressourcen allgemein zu schßtzen und die Wasserwerke zu entlasten, werden zunehmend Vierte Reinigungsstufen zur Beseitigung von Spurenstoffen auf Kläranlagen installiert.cite-ref-48[48] Damit kÜnnen allerdings nur Punkteinträge minimiert werden. Diffuse Eintragspfade wie zum Beispiel Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft kÜnnen so nicht verringert werden.
Desinfektion
Ist mit pathogenen Bakterien und Viren zu rechnen, so ist eine Desinfektion erforderlich. Diese kann durch Ultrafiltration im Wasserwerk oder durch Ozonierung erfolgen. Nach einer Filtration kann durch Zusatz von Chlor, Chlordioxid oder Natriumhypochlorit (Chlorung) eine Transportchlorung vorgenommen werden, um eine Wiederverkeimung im Netz zu verhindern.
Enthärtung
â
Hauptartikel
:
Wasserenthärtung
Wasser mit hoher Carbonathärte muss fßr viele Zwecke durch Entcarbonatisierung teilenthärtet werden. Bei membranfiltriertem Wasser mßssen, je nach verwendeter Porenstärke, Stoffe wie Mineralien hinzugesetzt werden, um eine ausreichende Osmolarität zu erreichen.cite-ref-49[49] Eine in Deutschland häufig eingesetzte Technik zur Enthärtung von Trinkwasser ist das CARIX-Verfahren.
Entsalzung
Fßr die Gewinnung von Trinkwasser aus salzreichem Rohwasser werden Anlagen nach dem Prinzip der Umkehrosmose verwendet. Grundwasser ist meist von so guter Qualität, dass es ohne Flockung und Desinfektion zu Trinkwasser aufbereitet werden kann. Weitergehende Verfahren der Trinkwasseraufbereitung sind Enthärtung und Teilentsalzung mit Hilfe von Ionenaustauschern oder der Membrantechnik wie Osmose und Dialyse. Ein Anteil an Uran kann durch den Einsatz von Ionenaustauschern aus dem Trinkwasser entfernt werden, es sind Verfahren auf dem Markt.
Siehe auch
:
Meerwasserentsalzung
Rechtsfragen
â
Hauptartikel
:
Trinkwasserverordnung
,
Wasserrecht
und
Gewässerschutz
â
Hauptartikel
:
Wasserwirtschaft
In Deutschland und in Ăsterreich wird die Beschaffenheit des Trinkwassers durch die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) geregelt. Mit Novellierungen dieser Verordnungen wurde die Richtlinie 98/83/EG âĂber die Qualität von Wasser fĂźr den menschlichen Gebrauchâ in nationales Recht umgesetzt. In Ăsterreich wurde die entsprechende Novelle der Trinkwasserverordnung am 21. August 2001 verkĂźndet und in Deutschland ist sie am 1. Januar 2003 in Kraft getreten. Die Einhaltung der Trinkwasserverordnung durch den Wasserversorger wird von den Gesundheitsämtern kontrolliert.
In Deutschland ist fßr die Normung und Zulassung von Verfahren und Materialien im Bereich des Trinkwassers der DVGW e. V. zuständig. Die Zuständigkeiten umfassen alle Aspekte der Trinkwasseraufbereitung, Speicherung und Verteilung und haben einen bindenden Charakter, ähnlich einer DIN-Norm.cite-ref-50[50]
Die WHO hat eine Norm fßr Trinkwasser erstellt, an der sich die EU-Richtlinie und die TrinkwV orientieren. In diesen Verordnungen werden unter anderem die zu prßfenden Stoffe im Trinkwasser und die zugehÜrigen zulässigen Grenzwerte sowie die Häufigkeit der durchzufßhrenden Messungen festgelegt. Die Grenzwerte, die es erlauben, ein Wasser als Trinkwasser freizugeben, sind am Gedanken der GesundheitsfÜrderung (Vorsorgeprinzip) orientiert. Ein Problem ist dabei, dass durch die Analysen nicht alle denkbaren oder bekannten Belastungen erfasst werden. Im Wasser kÜnnen leicht 1500 Stoffe anthropogenen Ursprungs gefunden werden. Die WHO verlangt von 200 Stoffen wegen ihrer bekannten Auswirkung auf die Gesundheit, dass sie geprßft werden. Nach der deutschen TrinkwV sind insgesamt nur 33 mÜglicherweise im Wasser befindliche Stoffe mit zugehÜrigen Grenzwerten genannt, die bei einer vollständigen Trinkwasseruntersuchung geprßft werden mßssten. Allerdings ist ein Indikatorprinzip umgesetzt, damit wird gruppenweise die Wahrscheinlichkeit fßr die Belastung mit verwandten Stoffen einschätzbar gemacht, so steht Escherichia coli (E. coli) fßr alle Fäkalkeime und die Summe von Quecksilber, Blei und Cadmium steht fßr alle Schwermetalle.
Der Gehalt an Escherichia coli wird kulturell im Labor bestimmt, Zielwert fĂźr Trinkwasser sind 0 KBE in 100 ml (KBE = koloniebildende Einheiten). Alternativ dazu kann die Messung auf Basis des Stoffwechsels der Bakterien erfolgen, was eine Bestimmung innerhalb von 30 Minuten ermĂśglicht.
Die deutschen Wasserversorgungsunternehmen liefern gute bis sehr gute Qualität. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle zweite Bericht des Bundesministeriums fĂźr Gesundheit (BMG) und des Umweltbundesamtes (UBA) Ăźber die âQualität von Wasser fĂźr den menschlichen Gebrauchâ, der die Jahre 2005 bis 2007 betrachtet. Demnach halten Ăźber 99 % der Anlagen die strengen gesetzlichen Anforderungen ein.
Eine Auswertung von 30.000 Wasserdaten der AQA (Aqua Quality Austria) ergab, dass 21,6 % der Wasserprobe zumindest einen Grenzwert bei unerwĂźnschten Inhaltsstoffen Ăźberschreitet. Blei und Nickel aus Leitungen und Armaturen sind das Hauptproblem; AGA appellierte daher schon wiederholt an die herstellende Industrie, verlässliche LĂśsungen zu entwickeln. In Ăsterreich wurde der Grenzwert fĂźr Blei 2013 von 25 Îźg/l Blei auf 10 Îźg/l gesenkt. Chrom, Kupfer und Nitrat sind weitere auftretende Problemstoffe. In Hausbrunnen, insbesondere in solchen, die nur saisonal oder sporadisch genutzt werden, wurde das Trinkwasser in 40 % der Fälle mangels Hygiene als ânicht genusstauglichâ bewertet. Besonders kĂśnnen sich Starkregen oder Hochwasser negativ auswirken.cite-ref-51[51]
Am 2. Juli 2019 hat der Ăśsterreichische Nationalrat ein Verbot der Privatisierung von Trinkwasser in der Bundesverfassung verankert.cite-ref-52[52]
Siehe auch
:
Recht auf Zugang zu sauberem Wasser
Entwicklungsländer
Etwa zwei bis drei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54] Unzureichende Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist in Entwicklungsländern die Hauptursache fßr Krankheiten und Todesfälle, vor allem fßr hohe Kindersterblichkeit.cite-ref-55[55] Zahlreiche Entwicklungsprojekte widmen sich der LÜsung dieses Problems, doch zwei bis drei Milliarden Menschen werden von keinem dieser Projekte erreicht. Ein bedeutendes Hindernis stellt die Bindung der FÜrderung seitens der EU-Entwicklungshilfe an private Wasserversorgungsunternehmen dar. Selbsthilfe durch kommunale und genossenschaftliche LÜsungen bleibt ohne FÜrderung.cite-ref-56[56] Eine einfache Notwasseraufbereitung fßr Krisengebiete oder Slums wurde in der Schweiz mit dem Projekt SODIS entwickelt, dieses Verfahren wird von der WHO zur Trinkwasserdesinfektion auf Haushaltsebene empfohlen.cite-ref-57[57]
Umweltaspekte
Trinkwasser aus dem Hahn verursacht bis zu tausendmal weniger Umweltbelastungen als Mineralwasser, wie in Vergleichsuntersuchungen (Ăkobilanz) fĂźr die Schweizcite-ref-58[58]cite-ref-59[59] und Deutschlandcite-ref-60[60] festgestellt wurde. Belastende Aspekte fĂźr die Ăkobilanz des Trinkwassers sind die Infrastruktur fĂźr Aufbereitung und Verteilung sowie der Energieverbrauch fĂźr das Pumpen.cite-ref-esu1-61-0[61] Zur Gewinnung von Trinkwasser wird Energie aufgewendet. Insofern gehĂśrt zum Umweltschutz die Vermeidung der Verschwendung von Trinkwasser. Soll Trinkwasser durch Betriebswasser (beispielsweise Niederschlagswasser, Grauwasser) substituiert werden, mĂźssen bestimmte Vorkehrungen getroffen werden, um eine Gefährdung des Trinkwassers und der Nutzer auszuschlieĂen. Entsprechende Anforderungen an Planung, Errichtung und Betrieb von Betriebswasseranlagen werden in der Richtlinie VDI 2070cite-ref-62[62] beschrieben.
Trinkwasserinstallationen
â
Hauptartikel
:
Trinkwasserinstallation
Als Trinkwasserinstallation (Hausinstallation) wird im Allgemeinen der Teil des Trinkwassernetzes ab dem Hauptwasserzähler eines Gebäudes bis zu den Entnahmearmaturen bezeichnet. Je nach Zusammenhang kÜnnen die Anlagenteile ab der Wasser-Hauseinfßhrung eines Gebäudes oder ab der Grundstßcksgrenze zur Hausinstallation gezählt werden. In der Regel gehÜrt die Leitungsanlage bis zum Wasserzähler jedoch dem Wasserversorgungsunternehmen.
Zur Kennzeichnung von Kalt-, Warm- und Zirkulationsleitungen siehe Wasserleitung#Kennzeichnung.
Hygienische Anforderungen
Siehe auch
:
Trinkwasserhygiene
und
Water Safety Plan
Trinkwasser ist in der Regel nicht steril und darf eine bestimmte Konzentration von Bakterien enthalten. Wenn das Wasser Ăźber längere Zeit in den Leitungen steht (Stagnation), kann es zu einer erhĂśhten Vermehrung von gesundheitsgefährdenden Keimen wie Legionellen kommen. Dies gilt insbesondere, wenn sich das Wasser dabei Ăźber die Temperatur von 8 bis 10 °C hinaus erwärmt, mit der es im Regelfall von der kommunalen Trinkwasserversorgung ins Haus gelangt. Zur Vermeidung der Stagnation wird in der Richtlinie VDI/DVGW 6023 âHygiene in Trinkwasser-Installationen; Anforderungen an Planung, AusfĂźhrung, Betrieb und Instandhaltungâ empfohlen, Wasser in Trinkwasserinstallationen wenigstens alle 72 Stunden einmal vollständig auszutauschen. Betreiber und Nutzer von Trinkwasserinstallationen sollten daher bei längerer Abwesenheit dafĂźr sorgen, dass jede Trinkwasserzapfstelle (Handwaschbecken, WC, Dusche) regelmäĂig gespĂźlt wird. Dies kann organisatorisch (durch manuelles Ăffnen der Zapfstellen) oder technisch geregelt werden (automatische SpĂźlarmaturen). Nach der Trinkwasserverordnung ist der âUnternehmer und sonstige Inhaberâ der Trinkwasserinstallation haftbar fĂźr Schäden, die durch einen nicht bestimmungsgemäĂen Betrieb von Trinkwasserinstallationen entstehen. Von ihm ist eine Gefährdungsanalyse zu veranlassen.
In Trinkwassernetzen, die nach den anerkannten Regel der Technik wie der DIN 1988 gebaut und betrieben werden, haben stagnierende Bedingungen nur einen untergeordneten Einfluss auf die KoloniezahlerhĂśhung.cite-ref-63[63]
PrĂźfzeichen fĂźr Trinkwasserinstallationen
Nach der deutschen Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) und der âVerordnung Ăźber Allgemeine Bedingungen fĂźr die Versorgung mit Wasserâ (AVB-WasserV) dĂźrfen nur Produkte fĂźr Trinkwasserinstallationen verwendet werden, die ein DVGW oder DIN-DVGW PrĂźfzeichen tragen.cite-ref-ikz-64-0[64]
Betriebstemperaturen
Die DIN EN 806-2 stellt fest, dass aus hygienischen GrĂźnden 30 Sekunden nach dem Ăffnen einer Zapfstelle die anliegende Temperatur des kalten Wassers 25 °C nicht Ăźbersteigen und die des warmen Wassers 60 °C nicht unterschreiten sollte, sofern lokale Richtlinien dem nicht entgegenstehen. Zusätzlich sollte das Warmwasser an jeder Zapfstelle auf 70 °C erwärmt werden kĂśnnen, um Leitungen und Armaturen thermisch zu desinfizieren. Hierdurch soll in erster Linie die Vermehrung von Legionellen-Bakterien unterbunden werden.
Die nationale Ergänzungsnorm DIN 1988-200 nennt ähnliche Werte, fordert diese jedoch explizit. Demnach darf 30 Sekunden nach dem Ăffnen einer Zapfstelle fĂźr Kaltwasser die Temperatur 25 °C nicht Ăźbersteigen und die Warmwassertemperatur muss mindestens 55 °C erreichen. In Technikzentralen und Installationsschächten soll die Temperatur des Kaltwassers mĂśglichst 25 °C nicht Ăźberschreiten.
Zum Schutz vor VerbrĂźhung soll das Leitungswasser je nach Nutzergruppe jedoch in Ăśffentlichen Gebäuden mit hĂśchstens 38 â 45 °C aus der Entnahmestelle treten.cite-ref-65[65] Wasser mit Ăźber 60 °C kann innerhalb von Sekunden zu VerbrĂźhungen fĂźhren, während dies bei 50 °C heiĂem Wasser erst nach etwa 2 Minuten der Fall ist.cite-ref-66[66]
Absperrbereiche
Nach der DIN EN 806-2 mßssen alle Verbrauchs- und Verteilungsleitungen absperrbar und entleerbar sein. Jeder Gebäudeteil mit eigener Wasserzufßhrung muss absperrbar sein. Ebenso mßssen die Trinkwasserleitungen zu jedem Stockwerk und zu jeder Wohnung einzeln absperrbar sein. Die Absperrarmaturen sollten gut zugänglich in der Nähe der Eintrittsstelle angeordnet werden. Im Besonderen sollen alle Leitungen, die von der Hauptleitung abzweigen und mehrere Nutzungseinheiten gemeinsam versorgen, eine Absperrung erhalten. Zusätzlich muss jeder Waschmaschinenanschluss, Spßlkasten, Wasserbehälter, Wassererwärmer und jeder sonstige Apparat eine eigene Absperrarmatur erhalten.
Die DIN 1988-200 verlangt mindestens ein Absperrventil mit Entleerungshahn nach dem Wasserzähler und weitere AbsperrmÜglichkeiten, wenn dies zur Wartung der Leitungsanlage erforderlich ist. An jedem Zapfhahn und Geräteablauf muss eine ausreichende Entwässerungseinrichtung (Abwasseranschluss) vorhanden sein. Absperr-, Entleerungs-, Sicherheits- und Sicherungsarmaturen mßssen leicht bedienbar und zugänglich angebracht sein.
Selten benutzte oder durch Frost gefährdete Leitungen, wie solche zu Nebengebäuden, Garten- und Hofbereichen, mßssen direkt am Abzweig von der Hauptleitung eine Absperr- und Entleerungsarmatur erhalten und sollten gekennzeichnet werden.
Kaltwasser-Zuleitungen
Nach der DIN 1998-200 sollen die Zuleitungen zu einzelnen Entnahmearmaturen so kurz wie mĂśglich ausgefĂźhrt werden und hĂśchstens ein Volumen von 3 l enthalten.
Siehe auch
Literatur
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Weblinks
Commons
: Trinkwasser
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Trinkwasser
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Literatur von und ßber Trinkwasser im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Forum Trinkwasser und seine Qualität in Deutschland
⢠Ratgeber des Umweltbundesamtes Trink was â Trinkwasser aus dem Hahn (PDF-Datei; 457 kB)
⢠Trinkwasserqualität in der Schweiz
⢠Trinkwasser â Informationen des Bundesamts fĂźr Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen
⢠Heiko Wimmen: Konfliktstoff Wasser: Erbitterter Streit im Nahen Osten (Deutschlandfunk, 22. März 2006 â auch als Audio-on-Demand)
⢠srf.ch: Bericht des Bafu â Trinkwasser ist vielerorts ungenĂźgend geschĂźtzt (23. Januar 2019)
⢠Spektrum.de: Sauberes Wasser macht immer mehr Aufwand 12. November 2019
Einzelnachweise
cite-note-11. Die Karte beruht auf der Quelle Where Is the World's Most Dangerous Drinking Water? (kommerzielle Webseite qssuplies.co.uk, Stand März 2023), die Angaben des US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDC) (Destinations list, wwwnc.cdc.gov) und des Environmental Performance Index (EPI) (Unsafe drinking water, epi.yale.edu, Stand 2022) verwendet. Die Einschätzungen des EPI beruhen wiederum auf Daten der Global Burden of Disease (GBD) study des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME)
cite-note-22. â Daseinsvorsorge â Begriff und Rechtsgrundlagen. (PDF) In: bundestag.de. 2024, abgerufen am 8. Mai 2025.
cite-note-44. â Die EU- und WHO-Richtlinien fĂźr Trinkwasser legen teilweise andere Parameter zugrunde und haben Empfehlungscharakter, siehe Vergleich der Trinkwassernormen der WHO, der EU und Deutschlands.
cite-note-66. â Telepolis: Sollen wir täglich 2,5 Liter Wasser trinken?
cite-note-77. â Mythen, an die selbst Mediziner glauben. In: Spiegel Online.
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